MUSA

  • Musa - Treppenhaus ft. Mortel & Pronto
  • MUSA
  • Musa - Gott Sei Dank
  • Musa - Splitter
  • Musa - Intro
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Musa holte sich 2017 – an der Seite von Megaloh und Ghanaian Stallion als BSMG (Black Superman Gang) – einen »Platz an der Sonne«. Das panafrikanische Pamphlet, das über Max Herres Nesola-Label erschien und u.a. Joy Denalane featurete, verarbeitete ihr Aufwachsen in der deutschen Diaspora und war ein selbstermächtigender Schritt und die Evolution des Berliner Trios zum Movement. Jetzt veröffentlicht der Hauptstädter sein Debütalbum »Berliner Negritude«, das komplett von Ghanaian Stallion produziert wurde, auf Urban Tree Music. Mit »Gott sei Dank« erschien im November 2018 die erste Solo-Single von Musa überhaupt, nachdem er 2016 als Special Guest die »Regenmacher«-Tour und das Top-5-Album von Megaloh auf dem Geflüchteten-Traumata »Wohin« und dem Afro-Trap-Vorreiter »Oyoyo« mit Soul-Sänger Patrice bereicherte. Ob auf Chima Edes »Principium«-Projekt oder dem Possetrack »100« mit Chima, Mega und Ghanaian Stallion, der BSMG-Feature Edition mit Samy Deluxe, Afrob, OG Keemo, Tarek K.I.Z und vielen mehr – Musa zeigte sich auf Augenhöhe mit seinem Partnern in Rhyme, einigen der technisch versiertesten Rapper des Landes. »Gott sei Dank« stellte ihn erstmals als Solokünstler ins Spotlight. Der Track ist ein deeper, biografischer Einblick und das Prequel zu seinem Crew-Projekt, das eine neue Perspektive aufzeigt: Waren seine BSMG-Beiträge noch politisch-analysierend, zoomt die Kamera jetzt ganz nah ran, auf die Moabiter Mikroebene. Es geht weniger um die globalen Verflechtungen, als um die kleinen alltäglichen Auswege aus den Krisen. Der Real Talk und der Neo-Boombap-Beat von Ghanaian brachte Musa einige Co-Signs ein und hinterließ sogar den sonst so redseligen Dendemann fassunglos. In der »Intro« beschreibt der afrodeutsche Sohn sierraleonischer Eltern seine steinige Odysee, die ihn von Berlin über die USA, bis Westafrika und zurück in die Hauptstadt führte. Musa entwirft seine Art von Conscious Trap, trägt den Mindstate von BSMG weiter, schärft ein afropäisches Selbstbewusstsein und sein Profil als komplexer Album-Künstler und zeitgemäße Antithese zum schnelllebigen Streaming-Rap. Es ist seine Vorgeschichte, die einiges erklärt – und die Einführung in einen der faszinierendsten Deutschrap-Charaktere. Gleich die ersten Bars bleiben im Hals stecken: »Mama war stark motiviert hier / Vater war narkotisiert hier Partner, bisher ging ich hier den Mittelweg / Aber sicher find ich hier ein Mittel gegen« Im Titeltrack bezieht er sich auf seine Sozialisierung und verbindet Moderne mit Vintage. »Kein Trost« mit Megaloh ist ein Update ihres BSMG-Konzepts, das mit einer absurd-genialen AutotuneStrophe seines Mentors überrascht. Für »Asoziale Solidarität« versetzt sich Musa in die Lage eines betäubten Kindersoldaten. Ähnlich düster und apokalyptisch geht es in »Treppenhaus« zu. Die Feature-Gäste Mortel und der angehende Schweizer Superstar Pronto verleihen dem Ort einen mystischen Mood und erweitern mit ihren Perspektiven die (Un-)Tiefen der trappigen JunkieBallade. »Berliner Negritude« ist ein zeitloser Brillant, ein komplexes Rapalbum, wie es hierzulande nur alle paar Jahre erscheint. Mit dem Doubletime-Wunder Amewu bahnt sich Musa seinen Weg über ein treibendes Instrumental, das Live bereits zu Moshpits führte („Alles was ich hab“). Auf der dritten Single »Splitter«, verkehrt er ein Flucht-Traumata in einen Gospel im Afrobeat-Gewand. Musa verknüpft Ursache und Wirkung, schildert posttraumatische Belastungsstörungen und das innere Kriegsszenario eines Betroffenen. Ein Track wie ein Quantensprung für Afrotrap aus der deutschen Diaspora. Im abschließend, bluesigen »Odyssee« klingt Musa dann nach langer Reise gesegnet und dankbar, fast angekommen.